Wir sind dieser Tage in unserem Archiv auf einen 25 Jahre alten Fachartikel mit einem Erfahrungsbericht von Wilfried Marquard gestoßen - ein Hobbymoster, der zu jener Zeit mit viel Leidenschaft Apfelsaft produzierte. Und obwohl der Bericht ein Vierteljahrhundert alt ist, ist er auch heute noch genauso aktuell: Denn bei der Press-Technik hat sich seither kaum etwas grundlegend verändert. Gutes Werkzeug bleibt!
Marquard verglich damals sehr akribisch eine Hydropresse von Speidel, mit einer hydraulischen Packpresse von Voran sowie einer klassischen Spindelpresse bei seiner Apfelsaft-Herstellung. Einen unmittelbaren Vergleich, den die meisten Hobby-Moster so vermutlich niemals machen können - mangels entsprechender Gerätschaft.
Hier seine von uns aufbereiteten Erkenntnisse (leider können wir seine Berichte nicht im original veröffentlichen). Seine Erkenntnisse von damals sind aber für alle, die auch heute noch selbst Most oder Saft machen wollen, sehr bedeutsam - und teilen sich mit unseren Erkenntnissen und Erfahrungen. Doch hier schon vorab die damals erstaunliche Erkenntnis von Marquard: Der parallele Betrieb von mehreren Hydropressen war für ihn die ideale Lösung!
Unsere Zusammenfassung des Berichtes in der Übersicht:
| Kriterium | Hydropresse | Packpresse | Spindelpresse |
|---|---|---|---|
| Kraftaufwand | Sehr gering | Hoch | Mittel |
| Reinigung | Einfach | Aufwendig | Mittel |
| Saftausbeute (Ø) | 65-73 % | bis 76 % | ca. 65 % |
| Investitionskosten | Mittel | Hoch | Niedrig |
| Bedienung durch 1 Person | sehr gut (mit mehreren Pressen) |
kaum möglich | gut |
| Hobby-Tauglichkeit | 👍👍👍 | 👎 | 👍👍 |
Empfehlung für Hobby-Moster
- 👉 Ein-Mann-Betrieb mit wenig Platz?
Dann sind mehrere kleine Hydropressen im Wechsel goldrichtig! Effizient, leise und ohne großen Kraftaufwand.
- 👉 Du hast Helfer?
Dann lohnt sich auch eine Spindelpresse - vor allem, wenn du ein begrenztes Budget hast.
- 👉 Packpressen?
Eher was für den Profi mit Personal - für den Hobbybereich überdimensioniert.
Marquards damaligen Erkenntnisse im Detail (von uns zusammengefasst):
1. Die Hydropresse - Einfach mit Wasserdruck!
Funktionsweise:
Statt Muskelkraft oder Motor kommt hier Wasserdruck (ca. 2-3 bar) aus der Hausleitung zum Einsatz. Eine Gummiblase im Inneren der Presse dehnt sich aus und drückt die Maische gegen das Sieb.
👍 Vorteile:
- Fast ohne Anstrengung: Ideal für Ein-Personen-Betriebe oder wenn man keine Lust auf Schlepperei hat.
- Schneller Saftfluss: 80 % des Safts fließen oft schon in den ersten 5 Minuten.
- Effizient bei Mehrfachbetrieb: Mit vier Pressen im Wechsel lassen sich erstaunliche Takte von 20 Minuten pro Ladung erreichen.
- Vorspannung möglich: Mit etwas Wasser lässt sich der Füllspalt verkleinern und die Ausbeute erhöhen.
👎 Nachteile:
- Wasserverbrauch: Klar, Leitungswasser ist nicht kostenlos - das sollte man einplanen.
- Einzelleistung eher niedrig: Wer nur eine Presse betreibt, braucht Zeit - rund 60 Minuten pro Pressvorgang.
- Etwas Übung erforderlich: Der Umgang will gelernt sein.
🔍 Leistungsbeispiel:
- 40-Liter-Presse: 29,5 Liter Saft aus 40 kg Äpfeln → ~74 % Ausbeute
- Im Verbund: Mit 4 Pressen = bis zu 159 Liter Saft pro Stunde - mit nur einer Bedienperson!
2. Die hydraulische Packpresse - Der Klassiker aus dem Profi-Bereich
Funktionsweise:
Maische wird in mehreren Lagen zwischen Pressroste und Tücher geschichtet und hydraulisch ausgepresst.
👍 Vorteile:
- Beste Ausbeute: Bis zu 76 % Saftanteil sind möglich!
- Sehr gute Saftabführung: Durch Holzroste und Presstücher läuft der Saft schnell und sauber ab.
👎 Nachteile:
- Kraftakt & Zeitfresser: Das Stapeln, Pressen und Reinigen braucht Geduld - und Kraft.
- Aufwändige Reinigung: Die vielen Tücher und Roste erfordern Zeit, Wasser und meist einen Hochdruckreiniger.
- Nur für Teams geeignet: Herstellerangaben zur Leistung gelten nur mit mehreren Personen.
- Für Hobbyanwender kaum gefragt: Im Privatbereich wenig sinnvoll - zu viel Aufwand.
🔍 Leistungsbeispiel:
- Packvorgang: 30 Minuten inkl. Füllen & Entleeren.
- Durchschnittliche Ausbeute: 112 Liter Saft pro Stunde mit einer Person.
3. Die klassische Spindel-Korbpresse - bislang beliebt bei Selbstvermarktern
Funktionsweise:
Die klassische Korbpresse wird manuell oder motorisch über eine Spindel betrieben. Die Maische wird im Korb zusammengedrückt.
👍 Vorteile:
- Der Hobby-Liebling: Früher (noch in den 1990ern) fragten 95 % der Kunden danach.
- Günstig in der Anschaffung: Die Einsteiger-Variante unter den Pressen.
- Gute Saftausbeute möglich: Mit vorbereiteter Maische (z. B. über Nacht) sogar über 76 %.
- Kurze Taktzeiten: Mit Zubehör (z. B. Weidenböden) kann ein Pressvorgang in 20 Minuten durch sein.
👎 Nachteile:
- Mäßige Durchschnittsausbeute: Im Jahresschnitt liegt sie bei ca. 65 %.
- Ergebnisse abhängig von Vorbereitung: Ohne "Mazeration" (Maischeruhe) sinkt die Ausbeute.
🔍 Leistungsbeispiel:
- 50-Liter-Presse: 100 Liter Saft pro Stunde bei einer Person, 20-Minuten-Takt.
Wir haben uns sehr über den alten Fachbericht von 2001 gefreut, in welchem Herr Marquard damals seine langjährigen Erfahrungen bei der Apfelsaft-Herstellung teilte. Denn wie gesagt: Gutes bleibt! ;-)




